Zum Berufsbild des Bürgermeisters

Städte und Gemeinden sind politische Organisationen. Der Bürgermeister als Inhaber des politischen Spitzenamts muss selbstverständlich die Spielregeln der Politik beherrschen. Aber die Kommune ist auch ein Unternehmen. Dieses Unternehmen beschäftigt zwischen einem Dutzend und einigen Tausend Mitarbeitern. Sein Jahresumsatz bewegt sich im Tausender- bis Milliardenbereich. Es ist für ein millionen- bis milliardenschweres Anlagevermögen - öffentliche Gebäude, Straßen, Brücken, Kanalisation - wirtschaftlich verantwortlich. Seine Leistungspalette ist erheblich breiter als die der meisten privaten Unternehmen. Sie erstreckt sich von den Ordnungsfunktionen über die Dienstleistungen im Jugend-, Schul-, Kultur- und Sozialbereich bis zur Straßenreinigung und Entsorgung, von der Flächen- und Bebauungsplanung bis zur Förderung von Wirtschaft und Beschäftigung. Hinzu kommt die Verantwortung für eine wachsende Zahl kommunaler Gesellschaften in privater Rechtsform. Bei alledem gilt es, die Finanzen des Unternehmens in Ordnung zu halten, was in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist.

Aber nicht nur diesen Führungs- und Fachaufgaben muss der Bürgermeister gewachsen sein. Der öffentliche Charakter des Amtes bringt Herausforderungen mit sich, denen sich die Chefs privater Unternehmen nicht zu stellen brauchen: Die überzeugende Repräsentation der Kommune, der offene Dialog mit der Bürgerschaft, die konstruktive, politische Spannungen überbrückende Zusammenarbeit mit dem Stadt- oder Gemeinderat und der Einsatz für die nachhaltige Lebensqualität und die Entwicklungschancen der Kommune im größtmöglichen Konsens von Bürgerschaft, Politik und örtlicher Wirtschaft. Dieses komplexe Anforderungsprofil macht das Bürgermeisteramt zu einem der anspruchsvollsten Berufe, die unsere Gesellschaft zu vergeben hat.

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